| September 2002 |
Die weißen Möwen lassen sich nicht von den schwarzen Krähen einschüchtern, die eifrig die Essensreste fressen, die wir ihnen hingeworfen haben. Die Krähen bleiben zu bestimmten Tageszeiten auf Wache, dann hüpfen sie und schreiten ruhig über das Gras, während sie sich gegenseitig nervös auf Abstand halten wie es die Rangordnung beim Fressen vorsieht. Unser helläugiger, getigerter Kater, manchmal schnurrend und sanft in unseren Armen, wird in der Abenddämmerung wild. Die anscheinend ruhige Katze wird zum lebhaften Jäger, macht einen Satz und springt nach Nachtfaltern, die in den Büschen flattern und bewegt sich viel schneller, als ein menschliches Auge sehen kann. Er wittert und scheint zu wissen, wenn eine andere Katze wie ein undefinierbarer Schatten auf einem versteckten Pfad aufkreuzt: Er kauert sich ganz still zusammen, dann jagt er auf lautlosen Pfoten auf den Eindringling zu. Beide Katzen verschwinden dann durch eine Hecke und hin und wieder ertönt ein Schlachtruf. Jetzt, wo die Septemberwochen dahingehen, glühen die roten Vogelbeeren im Sonnenschein. Die Apfelernte ist eingebracht und die Hände sind unnatürlich braun vom Schälen und Entsteinen der Pflaumen. Die Damaszenerpflaumen wurden vor dem Kochen nur gewaschen und entstiehlt. Anstatt uns daran zu erinnern, wie die Früchte des Sommers während einer Kindheit in Kriegszeiten eingeweckt wurden, haben wir diese Früchte gekocht und in leere Eiskremschachteln eingefroren. Der Monat wurde zu einer Zeit des Wartens auf Tod und neues Leben, die Kriegsbedrohung hing wieder über uns, als der 11. September kam und ging. Wir warteten alle, und durch dieses dumpfe Warten hat sich unsere Lebensqualität vermindert, nicht verbessert. Wir können nur dann offen für das Leben sein, wenn wir nicht voll ausgefüllt werden durch Hoffnung oder Angst. Uns wurde gesagt, es sei gut, in der Hoffnung auszuharren, aber dies trifft nur zu, wenn es begleitet wird durch ein stilles Vertrauen auf Gott. Dann können wir uns mit ruhigem Herzen und offenem Geist auf den gegenwärtigen Moment einlassen.
8. September (aus einem Brief) Diesen Morgen entschloss ich mich, einen Gebets-Rundgang mit Bruno zu unternehmen. Wir gingen hinaus ins Halbdunkel und das Hauslicht verlängerte unsere Schatten. Bruno stand stockstill und wartete. Auf einer kleinen Plattform nahe des Teichs, machte er das, was ich den Mondspaziergang nenne, was eine sehr langsame, sehr ruhige, anschleichende Bewegung ist, fast in Zeitlupe. Dies erübrigte sich aber, als sich herausstellte, dass es hier nichts zu entdecken gab. Mit seinem Tigermuster passt er gut zu den Licht- und Schattenflecken ringsum: nur seine weißen Pfoten sehen wie herunter gefallene Blütenblätter von Rosen und Anemonen aus, die überall vertreut sind. Dann schritt er entschlossen zum Rand des Teiches, zerteilte die Wasseroberfläche in glitzernde kleine Wellen, formte seine rechte Pfote zu einem Schöpfgefäß, um zu trinken, und leckte dann das Wasser von den Fellrändern seines Ballens.
13. September Das Gedenken an den 11. September vor einem Jahr wurde auf die geeignetste Art begangen. Kardinal Cahal Daly von (der nordirischen Grafschaft) Armagh hatte einige Tage in unserem Gästehaus verbracht, um eine Konferenz der Ökumenischen Gesellschaft der Heiligen Jungfrau Maria zu besuchen. Der Kardinal konzelebrierte die hl. Messe am 11. und 12. September mit Pater Geoffrey Lynch von der Ampleforth Abtei. Die Messintention am 11. war für die, die zu Tode gekommen sind und für die, die immer noch trauern. Kardinal Daly ist ein zierlicher und andächtiger Mann, bescheiden und freundlich. Das war das erste Ereignis am 11. September und die erste Messe, die jemals von einem Kardinal zelebriert wurde, der uns besuchte. Dann erwarteten wir die Ankunft von Sr. Mary Catherine von Fernham, die mit einem Transporter anreiste, angefüllt mit der gesamten Ausstattung, darunter viele Bücher. Die Sonne schien weiterhin und unsere Hängekörbe wurden sehr bewundert. Eine festliche Teetafel war geplant, aber kurz vor 15 Uhr erhielt eine Schwester einen Anruf, der ihr mitteilte, dass ihre Mutter gerade gestorben sei. Einige von uns bissen in ihre besonderen Cremetörtchen, während sie geistig De Profundis (Psalm 129) rezitierten, ein Gebet für die Toten, das versucht, das sich freuen und das Trauern gleichzeitig zu vermitteln.
14. September Das sehr heiße Wetter hält an und Schmetterlinge schaukeln in den Büschen. Sie scheinen von der kleinsten Brise weg getragen zu werden oder haben sie ihren Flug mit diesen zerbrechlichen Flügeln unter Kontrolle? Am 12. September, nach der hl. Messe, die für Marian Godden gefeiert wurde, las uns der Kardinal ein Gedicht vor, das aus dem irischen Gälisch übersetzt worden war. Es beinhaltete den Vers: In jeder Wolke, die jemals vorüber glitt über die Himmel, dann brach und weinte als Regen, und mit den Blumen schlief, beten wir Deinen Sohn an, Adoramus Te!
************** 21. September Warme, sonnige Herbsttage halten an, abwechselnd mit bedecktem Himmel, und Schmetterlinge schweben über die übrig gebliebenen Blumen. Schmetterlinge sind ein Symbol für die Auferstehung. Marian Godden hatte für ihren Gemeindepfarrer einen Schmetterling auf eine Oster-Stola gestickt, und er trug sie bei ihrer Beerdigung.
30. September Die Wege außerhalb unseres Tores sind nun bedeckt mit Kastanienschalen. Einige blanke Kastanien schimmern an den Grasrändern. Sie sind so glatt und glänzend wie das Jahr, als es begann, aber die satte Kastanienfarbe verblasst schnell, wie auch Haut faltig wird. Die Eichhörnchen knabbern sich erst durch die glänzende Hülle, dann haben sie aber nach wenigen Bissen keine Interesse mehr an der bitteren Nuss. Wir heben die Kastanien auf, als wären sie Erinnerungen, und freuen uns an ihrer glatten Oberfläche. Einige Tage später werden sie matt und verblasst. Nur die dunkle Erde der Liebe wird sie wieder zum Glänzen bringen.
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