September 2001

Der Monat begann kühl und nass, Stürme tobten über die Britischen Inseln; und mit

grausamen Eiferern, die kleine Kinder wüst beschimpften auf ihrem Schulweg in

Belfast.

4. September Am Nachmittag hörten wir die jüngsten Nachrichten von Jerusalem. Die

Schwestern, die mit der Französischen Schule in Verbindung stehen, waren gerade bei

der 8.00 Uhr-Messe, als es eine gewaltige Explosion gab. Sie gingen nach draußen

und fanden den Kopf eines Selbstmordattentäters auf dem Kinderspielplatz und

verstreute Fleischteile überall. Es entstand hoher Sachschaden und es gab elf

Verletzte. Die Kinder waren gerade hinein gegangen. Der Bombenattentäter trug die

Kleidung eines orthodoxen Juden.

11. September Das Szenario war so wie in dem Film „Staub und Asche“, während das

Drehbuch aus einem entsetzlichen Blockbuster namens „Amerikanische Apokalypse“

stammte. Aber die Ereignisse, die sich uns aus den Nachrichten darlegten, passierten

tatsächlich vor unseren Augen.

Für ein paar Tage herrschte fassungslose Stille, dann kamen stockende Worte hervor

und ein paar zusammenhängende Gedanken. Die meisten von uns beteten das Gebet

des Nicht-Verstehens und schwebten zwischen Unglauben und Horror. Aber durch

einen seltsamen „Blitz“ des Hl. Geistes war inmitten des Blutbades Heldentum.

14. September Dieser Tag war zum Staatstrauertag überall in der Europäischen Union

ernannt worden. Gleichzeitig war es das Fest der Kreuzerhöhung, ein Tag stummer

Freude und hoffnungsvollen Leids, Gefühle, die unser ganzes irdisches Leben

beschreiben könnten.

Was dann kam, ist Teil einer Beschreibung der Ereignisse, eine Reinigung der

Emotionen durch Mitleid und Terror, der den Wunsch zum Ausdruck brachte:

Keine weiteren Bilder mehr von Trümmern oder schreienden Menschen, die entsetzt

mit ansehen, wie Tausende sterben. Keine Berichte mehr von dem, das aussah wie ein

Hollywood-Drehort, oder die Worte eines geliebten, todgeweihten Menschen in einem

Flugzeug. Kein verzweifeltes Hinsehen mehr, als die Flammen höher wachsen - über

270.000 Liter pures, flüssiges Feuer. Keine Menschen mehr, die dort oben aus dem

Fenster winken, während sich einige unten Hand in Hand in den Tod hinunter

stürzten... Roy Harper, 14. September

21. September Nasse Tage mit durchweichtem Gras. Eines Morgens verharrte ein

Frosch reglos, als man an ihm vorbei ging. Die Kapuzinerkresse wächst immer noch

kräftig und die japanischen Anemonen liegen wie eine rosafarbene Wolke im Gras. In

den Nachrichten kamen Flutwarnungen, während die Nationen darüber zu

beschließen versuchen, wie sie den allgemeinen Terrorismus bekämpfen können. Es

gibt eine weit verbreitete Angst, dass wir uns auf einen dritten Weltkrieg zubewegen,

obwohl kein bestimmtes Land der Feind ist. Afghanistan ist eine offensichtliche

Zielscheibe, aber es ist ja bereits ein dezimiertes, armes und elendes Land, wo die

Menschen in Trümmern leben oder in Höhlen.

Während einer ökumenischen, religiösen Rundfunksendung von St. Martin in the

Fields, London, las ein jüdischer Rabbi einen Kommentar über den Tod von Sarah

vor. Ein Kommentator sagte, sie sei gestorben durch die Qual, die es ihr verursachte,

um die Unsicherheiten des Lebens zu wissen und die Unvorhersehbarkeit der

Ereignisse. Diese Unsicherheit machte ihr Leben nicht mehr lebenswert, selbst als ihr

Sohn Isaak verschont geblieben war. Etwas von dieser Unsicherheit ist nun in unserer

Gesellschaft offensichtlich. Auch ein muslimischer Gelehrter las aus dem Koran

einen Abschnitt vor, der das Umbringen von Frauen und Kindern, von Alten und

Kranken sogar in Kriegszeiten verbietet. Man hat uns gewarnt vor der Gefahr, den

Fluch des Terrors mit Religion gleichzusetzen, ebenso wenig mit Fanatikern, die es in

jeder Gesellschaft gibt, Juden, Christen und Muslime.

28. September Es hat eine Explosion gegeben in einer chemischen Fabrik nahe

Toulouse, die viele tötete und noch mehr verletzte, und man hat Angst vor Giftgas

und einem biologischen Krieg. - Was für eine schreckliche Welt wir uns bereitet

haben. Die Menschen in Afghanistan hungern, viele essen Gras, um zu überleben und

Tausende fliehen nach Pakistan, dessen Grenzen geschlossen worden sind... Mit

diesem Hintergrund leben wir unser tägliches Leben, denken daran, dass wir vielleicht

Weihnachten vorbereiten sollten, wenn das, worauf wir wirklich warten, das Zweite

Kommen ist.

In den letzten Tagen war es morgens immer sehr nass gewesen und große,

orangefarbene Nacktschnecken gleiten über den Weg.

29. September - das Fest des Hl. Michael und allen Engeln. Wir brauchen wirklich

alle guten spirituellen Kräfte, damit sie uns vor dem heimtückischen Bösen

beschützen, das allein schon in der Luft ist, die wir atmen. Jeder von uns hat die Kraft

zu handeln, zu denken, entweder für oder gegen Gott zu sein. Die himmlischen

Mächte, die spirituelle Energie Gottes, ist überall zugegen... ebenso unsere Fähigkeit

zu wählen: Nehme ich die Impulse der Gnade oder wenn sich mein Gewissen meldet,

an, oder weise ich sie zurück? Vielleicht haben die Maler und Künstler der

Renaissance, die jeden Heiligen zusammen mit kleinen Putten des Guten und des

Bösen darstellten, tatsächlich die richtige Idee. Es liegt ein eigener Dualismus in

unserer Natur.

Welches Gedicht würde passen für diesen September 2001? Wir können uns nicht nur

auf die jahreszeitlichen Veränderungen konzentrieren, die Schönheit der Natur, aber

wir dürfen auch nicht dem Horror dieser Tage erlauben, unseren Geist zu verdunkeln

und uns alle Hoffnung für die Zukunft zu versagen. Wir dürfen nicht bagatellisieren,

aber wir dürfen auch nicht verzweifeln. Wie soll es dann gehen? Der Prophet Jesaja

zeigt den Kontrast zwischen einem Volk, das vom Krieg schwer gezeichnet ist, und

der Hoffnung, die uns anführt. Bekümmert und hungrig wird er durch das Land

wandern, und hungernd wird er wahnsinnig werden... seinen Blick nach oben richten,

und dann hinunter auf die Erde, er wird nur Verzweiflung und Finsternis finden, die

dunkelste Qual, und er wird nichts als Nacht sehen. Ist nicht dort, wo Qual ist, alles

schwarz?

Das Volk, das im Finstern wandelt, schaut ein großes Licht; über denen, die im Lande

der Dunkelheit wohnen, erstrahlt ein Licht... Denn jeder Soldatenstiefel, der

dröhnend auftritt, und jeder Mantel, der in Blut gewälzt, wird verbrannt und eine

Speise des Feuers. Denn ein Kind ist uns geboren ... Groß ist seine Herrschaft und

endlos der Friede... Jes 9,1; 9,4-6 (auszugsweise).

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