November 2002

21. November

Dieser Monat ist so rasch vergangen wie Wolken, die der Wind dahin fegt. Die Tage

wechselten zwischen Stürmen und stürmischen Winden, die graue Wolken über den Himmel

trieben, und der goldenen und gelblich-rotbraunen Herrlichkeit, wenn die Sonne auf

Herbstblätter scheint. Wenn man jetzt aus dem Fenster schaut, sieht man die Bäume fast kahl

da stehen mit filigranen Fingern statt ”Blätterhänden”.

Früh am Morgen, vor Tagesanbruch, wirft das innere Tor zwischen der Kapelle und der

Auffahrt einen langen, eleganten Schatten, der verschwindet, sobald das Klosterlicht

ausgeschaltet wird. Das goldene Netz einer Spinne hängt gefährlich nahe am Rahmen der

Klostertür, nur sichtbar, wenn sich die Tür öffnet und Licht heraus strömt. Kommen die

Spinnen näher ans Haus, weil sie hier Wärme vermuten? Werden Besucher angezogen von

der Wärme, die sich durch das Leben und das Beten in einer klösterlichen Gemeinschaft

entwickelt? Es wäre gut, sich das klösterliche Leben als Wärme abgebende Lichtstrahlen in

der Dunkelheit vorzustellen – eine Art Leuchtturm in der geballten Düsterkeit.

Wenn der Monat aus der Ferne betrachtet wird, hat er eine gemusterte Reihenfolge. Aber weil

die gütige ”Spinne der Zeit” ihr Netz gewebt hat aus Begegnung und Abschied, aus

Besprechungen und Gesprächen, Gebet und Betätigung, Leid und Freude, gegen den

undeutlichen Hintergrund der Weltgeschehnisse, schienen wir zurück geschleudert zu werden

auf ein irres Fließband oder Treppen hinauf zu eilen, während – was für ein Albtraum – die

Rolltreppe hinunter ging, als wir hoch rannten! Man könnte tatsächlich den humorvollen, aber

schmerzlichen Schrei wider geben: ”Halte die Welt an: Ich will aussteigen!!”

Unser einziges Gegenmittel ist der weite Raum eines stillen Gebetes an einem einsamen Ort

oder langsames Gehen zwischen unserem öffentlichen Bereich und dem Klausurbereich –

welches der Platz sein könnte, wo wir mit Gästen spazieren gehen oder der Platz, wo wir mit

der Katze in der Dunkelheit eines frühen Morgens umher gehen, nachdem die mageren

Füchse sich davongeschlichen haben. Aber nur längere Zeitspannen abseits können das innere

Gleichgewicht zurückgeben, wenn wir nachsinnen und meditieren, bis alle Gedanken

verstummen und wir einfach nur noch da sind. Diese wertvollen Momente des Daseins, wenn

die innere Ruhe zurück kommt und Energie frei fließt, wo Gott will, sind einige der

Höhepunkte des klösterlichen Lebens. Andere Momente des inneren Friedens können durch

Begegnungen innerhalb der Ordensgemeinschaft oder mit Gästen zu Stande kommen, wenn

wir uns der Stille erinnern und sie im innersten Herzen bedenken. Wir müssen darüber

nachsinnen, wir müssen uns zurückerinnern, wenn irgend eine Begegnung uns ”nährt”, und

die gnadenvolle Energie des Gebetes ausströmen lassen.

Ja, der November war stürmisch und wild, und die meisten Erinnerungen sind geflohen

inmitten der Arbeit, und den Ablenkungen, die die Gedanken bunt durcheinanderwerfen und

wie eine Wasserkaskade über den gegenwärtigen Augenblick herabfallen lassen und ihn

wegwaschen. Diese kläglichen Versuche, die Höhepunkte des Monats zu sammeln, sind so

zerbrechlich, aber so beharrlich wie das goldene Spinnennetz, das an der Klostertür

schimmert und uns einen Moment lang in unserem Herzen bewusst wird.

Christkönigsfest

Dies muss eine Endzeitfeier sein, da es überhaupt kein Anzeichen gibt, dass das Reich Gottes

unter uns ist, anders als in Embryo und Saat, und in den kurzen Anzeichen von Güte, die

unser Leben streichen. In der Messe wurden wir daran erinnert, dass Christus der ”König der

Hirten” ist, in der Tradition von König David, einer, der dient und seine Herde hütet. Aber

George Braithwaite zeigt uns die andere Seite dieses Bildes, als er an Helen Waddell über

ihren Vater Hugh schreibt:

... er zeigte nicht jedem sein Herz. Vor vielen Jahren sah ich, wie ein indischer Missionar das

Abzeichen entgegennahm: ”Für den Dienst, oder für das Opfer”. Das ist die Art, wie ich über

deinen Vater denke. Wir sagen: ”Der Herr ist mein Hirte”, und es ist ein Wort großen

Trostes. Aber es gibt auch eine andere Seite. Wieso hütet der Hirte die Schafe? Ich habe an

den leidenden Diener gedacht, Christus, mit Dornen gekrönt, und dieser Gedanke zeigt

ziemlich deutlich, dass wir alle ”Für den Dienst, oder für das Opfer” da sind. Aber die ganze

Zeit hindurch hütet der Gute Hirte seine Herde.

Die Liturgie der letzten Woche des liturgischen Jahres ist voll der Bildersymbolik des

Gerichts, wie das Gleichnis im Matthäus-Evangelium zeigt. Die deutlichste Botschaft ist, dass

wir den Segen Gottes empfangen werden, wenn wir seinen geringsten Geschöpfen in Liebe

begegnet sind. So oft gehen wir an unserem Nächsten einfach vorüber. Wir werden für den

Segen ungeeignet sein, wenn unsere Herzen nicht ausgehöhlt werden von Mitgefühl. Wenn es

einen von Gott geformten Raum in uns gibt, geschieht es innerhalb dieses spirituellen Leibes,

dass wir Christus erlauben, zu wachsen, zu wachsen mit Ihm in Seinem Herzen – ein Raum,

der unsere Gestalt hat.

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