März 2003

Die grünen Halme des Winters sind zu den Trompeten des Frühlings geworden, jetzt, da die

Osterglocken ihre Köpfe neigen und am St. David’s Day (1. März) blühen.

Gestern Nachmittag regnete es heftig, unterbrochen von strahlendem Sonnenschein, auf

jedem Baum glitzerten die Regentropfen, und im Osten leuchtete ein Regenbogen.

Am 27. Februar verfolgten wir die Amtseinführung von Rowan Williams als 104. Erzbischof

von Canterbury und waren beeindruckt, sowohl von seiner Person als auch von der schlichten

Zeremonie. Afrikanische Sänger trommelten im Seitenschiff, ein walisischer Sänger sang und

ein Harfenspieler spielte. Traditionelle Musik verschiedener Kulturkreise stieg in der

Kathedrale zu Canterbury auf und formte einen Baldachin des Lobes.

9. März: Aus einem Brief

Am späten Vormittag ging ich mit Bruno in den Garten, als sich das Vogelgezwitscher wie

Glockengeläute anhörte, und die filigranen Bäume Wache hielten rund um unseren Morgen

Land, unsere Grenzlinien klar festlegend. Hier und da ein Nadelbaum – riesige englische

Eiben –; sie gedeihen auf einer alten Grenzlinie, wo ein anderes Haus mehr als hundert Jahre

lang stand. Auf der neueren Grenzlinie mit der Koppel haben sich nur ein Rosskastanienbaum

und ein Ahorn angesiedelt, während kleinere Bäume am Zaun entlang wachsen. Die jüngste

Grenzlinie, wahrscheinlich nicht mehr als ungefähr dreißig Jahre alt, ist die Hecke, die die

neuen Gebäude an der Serpentine vor Blicken verbirgt. Während ich an dem milden Morgen

dort stand, bei zarten Wolkenfetzen am Himmel, konnte man das leise Geschnatter der Enten

hören – ein seltsam tröstendes Geräusch.

Bruno ist bereits der Fuchsspur gefolgt, die sogar an trüberen Tagen glänzt und durch die

Hecke führt, und ich konnte nur stehen bleiben und auf das immer noch schlummernde Haus

schauen. Es liegt etwas sehr Friedvolles über einem noch schlafenden Haus, umschlossen

vom Garten und fest gehalten durch die festgelegten Zäune.

Bevor ich aufstand, hörte ich die Wasserpumpen ihr gluckerndes Geräusch machen – um

dann festzustellen, dass es sich um die leisen Geräusche der Füchse im Garten handelte. Wie

das sanfte und freundliche Schwatzen der Dohlen, ungezwungen, war dies ein tröstliches

Geräusch, da die Geschöpfe zufrieden waren.

Vielleicht ist der frühe Morgen die beste Zeit des Tages: umhüllt von der kalten Stille, eine

Vielfalt von leisen Geräuschen zu hören, verschleiert im verborgenen Garten, nur still zu sein.

Nun duftet das Haus vom Kochen und Brot backen, ein seltsames Gemisch aus exotischen

und heimischen Düften, da wir Vorbereitungen treffen für das morgige Oblatentreffen.

Obwohl ich gerne mit anderen Menschen in der Stille und im Gebet zusammen bin, empfinde

ich meine Lehrerrolle schwieriger, wenn auch manchmal die Worte beflügeln und

Lebensfreude aussprühen. Aber oft sind wir wie ungesäuertes Brot, und sitzen da wie ein

Klumpen Teig! In Zeiten wie diesen sind meine Worte wie ein Spaten, der in Lehm einsticht:

Die Erde ist nicht durch Würmer aufgelockert und keine Lebensform sichtbar... Dieser

Zustand scheint wohl bekannt zu sein unter Lehrern!

So viele Gebetsgesuche erreichen uns, manchmal Bitten um wahre Wunder, und die strittige

Frage, ob Krieg sein sollte mit Irak – mit Saddam Hussein –, ist immer da. Hinter ihm stehen

Tausende von leidenden Menschen - leidend wegen ihm –, der abwartet.

16. März

Die letzten drei Tage ließ der Frost in der Frühe das niedrige Dach des Anbaus schimmern,

während der Gesang der Vögel in die klare Luft heraus purzelt. Unser klar abgegrenzter

Morgen Land sieht weitläufig und ein bisschen geheimnisvoll aus, bevor die Sonne aufgeht,

die Winter-Schwertlilien mit Blau berührt und die Osterglocken mit verschiedenen

Gelbschattierungen. Einige haben bis jetzt noch nicht ihre Lanzettenblätter zu Trompeten

geformt, und es sieht so aus, als wäre die Aussage der Welt ”Krieg”.

Unsere alljährlichen achttägigen Exerzitien begannen offiziell nach der Vesper gestern

Abend.

21. März: Betrachtungen

Das Fest des Hl. Benedikt. Die kalten, frostigen Morgenstunden mit strahlendem

Sonnenschein sind frühem Morgentau gewichen und dem Flug der Enten beim ersten

Tageslicht.

Es ist Frühlingsanfang und die Angriffe auf den Irak begannen gestern: ”Die Zeit, wenn

Könige in den Krieg ziehen”, wie es in der Bibel heißt. In den Psalmen kommt die Wüste oft

vor, und Krieg, und die Gebetsverse entfalten sich vor unserem inneren Auge während Scud

Missiles durch den Nachthimmel von Baghdad jagen, explodieren und ihre eigenen,

schrecklichen Säulen aus Feuer und schwarzem Rauch formen.

Unsere Exerzitien, so ruhig und friedvoll, stellen eine andere Daseinsebene dar. Die

gezackten Gebete und Verzweiflungsrufe in den Psalmen zerreißen und verletzen sie, wenn

sie unser Herz erreichen.

29. März

Morgen ist in unserem Land Lätare, um die Mitte der Fastenzeit anzuzeigen und die

alljährliche Umkehr der Kinder, die weit von zu Hause fortgeschickt wurden, zurück zur

Mutter Kirche. Wurde es einst mit dem Fest Mariä Verkündigung in Verbindung gebracht, als

Maria unser aller Mutter wurde? In der Gestalt von Rachel weint sie immer noch um ihre

Kinder, wird heimgesucht von Krieg, da Entbehrungen ihre Länder und Familien auseinander

reißen. Aber trotz allem überdauert die schwer mitgenommene Erde, und damit die Saat der

Hoffnung. Und so können wir uns freuen, sogar wenn wir uns sorgen.

Kahle Zweige sollen blühen, die Freude, die geschlafen hat, beginnt zu erwachen: Ein

Weihnachtsliedtext, der uns vor einigen Monaten zugesichert wurde.

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