| MAI 2003 |
Der Regen wäscht die Tage weg, und alles im Garten ist herrlich und lang und saftig. Blütenblätter fallen wie Schnee herab, heruntergeschüttelt von Wind und Regen, und liegen durchnässt auf dem Boden. Die Luft ist vom süßen Duft so vieler unbekannter und unbeachteter Blumen erfüllt, und Vögel suchen flink im Gras nach Futter.
4. Mai Hier ist ein Auszug eines Abschnitts aus Simon Tugwells Buch über das Gebet, welches ein Lichtstrahl an einem kalten Maimorgen ist: ...wir müssen, bei allem Erbarmen, erkennen, dass das Evangelium kein Weg ist, diese Welt auszusöhnen. Gott hat nie versprochen, dass, wenn wir nur genug Glauben haben, wenn wir nur genug beten, alle Probleme verschwinden würden. Unser Gebet muss fortwährend sein, wenigstens stillschweigend, dein Reich komme. Die Auferstehung unseres Herrn bedeutet nicht, dass unsere Welt nun nicht mehr auf Tod und Verfall zusteuert; sie bedeutet, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Die neue Welt wird geboren werden aus dem Tod dieser Welt...
Nach meinem eigenen kurzen Krankenhausaufenthalt habe ich wieder den Wert verstehen gelernt von lectio divina (Wort Gottes), anstatt zu denken, dass meine eigenen Betrachtungen ein ausreichender Ersatz wären.
Am Sonntag ging ich etwas später mit Bruno nach draußen in den Garten, als das Tageslicht alle Schatten aufgelöst hatte. Lautes Gequake begrüßte uns, und der Schrei einer fliegenden Gans, während graue Eichhörnchen über den mit Blütenblättern übersäten Weg rannten, und Amseln zu den auf das Gras geworfenen Futterstückchen flogen. Bruno spazierte langsam zu den Sträuchern am Teich, während eine Ente mit Erpeln im Gefolge sich auf dem schrägen Nachbardach beschwerten, und andere lautstark hergeflogen kamen, um schwerfällig in der Nüsse-Ecke zu landen. Es war ein verrücktes Potpourri der Tierwelt, inmitten dessen Bruno gemächlich umherschritt. Die nassen Wege waren von einer Vielfalt von Blütenblättern bedeckt, die von Windböen und Regen heruntergeschleudert worden waren. In einem passenden Moment erschnupperte Bruno seinen Weg durch die Hecke.
Es gibt so viele Gebetsbitten, und die meisten von uns haben jemanden in einer besonderen Notlage. Die Besuche im Krankenhaus zeigen einen Teil der leidenden Menschheit. Die Schlaganfall-Station bleibt größtenteils - eine Station stetigen Wechsels und vor einigen Nächten wurde ein holländischer Geschäftsmann hereingebracht. Seine Ehefrau und seine Tochter kamen von Rotterdam und saßen neben seiner teilnahmslosen Gestalt, und gestern waren auch seine Söhne dort. Joseph, dem einige Zähne fehlen, weinte etwas und kämpfte sich aus dem Bett, fiel dann aber hin und verletzte sich. Er hat ein herrliches Lächeln, und ich gehe gewöhnlich hinüber, um mit ihm zu reden. Gestern, als ich am Fußende seines Bettes stand, hat er stolz seiner Frau und seiner Tochter erzählt: Die Nonnen beten jeden Abend für mich! Edna wird von ihrer Tochter Jane besucht, und sie redet mit sich selbst und liebt Bananenbrei. Ein randalierender Ire, der den Fernseher die meiste Zeit des Tages haben musste, ist nun abgelöst worden durch eine ältere Frau in Begleitung jüngerer Leute: ein Mädchen mit einem punkähnlichen Haarschnitt rot und schwarz sieht ein bisschen beunruhigend aus! Ein Patient hatte Blumen am Fußende seines Bettes stehen, die für ein Begräbnis passend gewesen wären: Es gab keinen anderen Platz für solche Riesenblüten.
Unsere Schwester im Krankenhaus erzählte mir gestern, dass sie nicht voraus denkt, sondern Tag für Tag annimmt. So müssen wir leben, uns weigern, Sorgen und Befürchtungen in eine Zukunft zu projizieren, die in den Händen Gottes verbleibt. Jeder Tag ist ein Geschenk und darf nicht als eine Belastungsprobe angesehen werden.
11. Mai Die Fahrt zum Krankenhaus in Ellesmere Port ist sehr angenehm, hauptsächlich auf Landstraßen entlang mit grünen Hecken, weißen Blumen an den Straßenrändern und Löwenzahnköpfe, die nun als silberne Kugeln darauf warten, sich loszulösen. Wenn die Verkehrsbedingungen in Chester gut sind, dauert die Fahrt weniger als eine halbe Stunde.
Letzte Woche hatten wir nicht nur eine so genannte Kirmes am Fluss Dee, sondern auch ein dreitägiges Rennen in Chester. Der Verkehr über die Grosvenor Brücke kam nur noch im Schneckentempo voran und kam dann zum Stillstand, als Menschenmengen bei Rot über die Straßen drängten. Einige der Hüte, die von den Damen am Ladies Day getragen wurden, waren wirklich kurios: entweder unterschiedlich ausgeschmückte Wagenräder oder kleine braune Hüte, wie durchsichtige, an einer Käfermembran befestigt Käferflügel! Die Ladies bettelten bei jedem um Unterstützung, während sie auf Pfennigabsätzen über die Straße stöckelten.
Der Roodee (die Rennstrecke am Ufer des Flusses Dee) ist nun leer, sogar ohne die Möwen, die zu bestimmten Jahreszeiten da sind. Noch ist unser Garten voll von Leben und Bewegung, da beim ersten Tageslicht Scharen von Erpeln und einige Enten einfliegen. Kleine Eichhörnchen tollen auf dem Gras herum, verfolgen einander mit herumwirbelnden, flaumigen Schwänzen, und die Krähen kommen, um aus Urnen zu trinken, die statt Pflanzen Wasser enthalten. Beringte Tauben gurren ihr coo in ihrer eintönigen Weise, und Hummeln purzeln in den Blüten.
16. Mai Die Regentropfen fließen in sich ausweitenden Kreisen auf der glatten Oberfläche des Teiches dahin. Zuerst sind es einzelne Kreise, flüchtige Kreise aus Licht und Schatten, bis der Regen schneller fällt. Die Kreise gleiten dann sanft ineinander, so schnell, dass das ungeschulte Auge den Übergang nicht erkennt, oder wahrnimmt, ob ein Kreis einem anderen weicht. Die sanfte Bewegung wird zu einem Schauspiel gemusterter Schönheit, sowohl faszinierend als auch voll von Wunder.
27. Mai Vor sechs Jahren ist eine sechsköpfige Gruppe von uns von Chester nach Canterbury gereist, um 1997 den Jahrestag der Ankunft des Heiligen Augustinus und seiner Mönche in Thanet im Jahr 597 zu feiern. Es folgen Notizen aus der Chronik.
Die Reise nach Canterbury am 27. Mai war so flüchtig wie die Bahngleise neben uns im fahrenden Zug dahinströmen. Wir waren von acht Uhr morgens bis fast Mitternacht unterwegs. Die Reise ging zügig, die Gesellschaft war ruhig. Da waren lächelnde Gesichter, und es gab Momente der Begegnung. In Canterbury aßen wir Eis.
Wir versammelten uns in der Krypta der Kathedrale, waren am Schrein des Heiligen Thomas à Becket an knienden Mönchen vorbeigegangen. Diese sind gefilmt worden. Die Skulpturen der Schwerter, die auch Flammen waren, sahen aus wie facettierte Feuersteine, die über dem Schrein schwebten wie die Flammen am Pfingstfest. Die lange Prozession schlängelte sich 15 Minuten lang inmitten lächelnder oder konzentrierter Gesichter hindurch. Haben wir alle gelächelt, als durch den Wind unsere Schleier verrutschten und Jahrhunderte von uns weggekehrt wurden? Es war alles so freudig, geradezu unbeschwert, und doch heilig.
Die uralten Stufen der Haupt-Kathedrale, durch die Jahrhunderte ausgetreten von den Füßen der Pilgerer, führten uns zum Gebet. Die Mönche und Nonnen sangen Choralgesang, verbanden Vergangenheit und Gegenwart. Es gibt eine tiefe spirituelle Gemeinschaft in heiligem Gebet, die die konfessionelle Spaltung nicht zerstören kann.
|
| Sammlung |