Juli 2003

Dieser Monatsbericht wird aus Notizen bestehen, Gedanken, die auftauchen wie Goldfische

in einem Teich. Herbstduft liegt schon in der Luft, mit herabgefallenen Blättern und kürzer

werdenden Tagen. Der Garten ist in seiner Grünphase, mit Gruppen von violetten und blauen

Blumen hier und da.

Die Gluthitze ist zurückgekehrt, und nur eine Brise macht die tägliche Fahrt ins Krankenhaus

erträglich. Die menschlichen Begegnungen sind bewegend, Unglück und Freundlichkeit

verbinden Menschen, die Fremde waren. Das erinnert mich an unvollkommene Blätter:

“Wenn unser Leben andere Geschöpfe genährt hat, können wir unvollkommen scheinen, aber

eine gewisse Schönheit der Unvollkommenheit bleibt.”

Unsere mediterrane Ecke am unteren Teich ist herrlich am frühen Morgen. Die roten

Geranien leuchten und scheinen unter den Seerosenblättern reflektiert zu werden – aber es

sind die umherschnellenden Goldfische, die im frühen Morgenlicht schimmern. Die kleinen

Zypressenbäume tragen zu der Impression bei, einen Mittelmeerflecken zu sehen in dieser

Biegung des Gartens. Die weicheren Farben englischer Gartenblumen werden verstärkt durch

das pulsierende Rot der Geranienblütenblätter, aber nicht vermindert.

Es war herrlich in der Frische des frühen Morgens, mit den umherschnellenden Fischen im

Teich, und Tau auf dem Gras, während Bruno die Route untersucht, die Füchse und Dachse

genommen haben. Unsere kleinen Äpfel hängen grün an den Ästen, und die Stachelbeeren

wachsen immer noch. Die Brombeeren werden zu grünen Kugeln inmitten zierlicher

Halskrausen aus Blütenblättern, und müssen recht bald gepflückt werden.

17. Juli

Die gelassen wirkende Friedenslilie in der Kapelle schickt weiße Flammen des Gebetes

empor, die blassgrün werden in ihrer Erfüllung, bis Blumen Blättern ähneln, und kleine,

weiße Knospen anderswo bilden. Steigt unser Gebet auch so behutsam ins klare Licht auf?

Als das lang erwartete Gewitter kam, näherte es sich mit einem tiefen Grollen, blitzte mit

seinen Augen auf und ergriff die Flucht. Er wurde begleitet von nur spärlichem Regen, fast

keine Spur zurücklassend, als es davonrumpelte und in der Ferne verschwand. Nun ist die

Luftfeuchtigkeit so hoch, dass wir uns nur mit Bedacht und Überlegung fortbewegen.

Ich habe ein kleines Büchlein, das mir ein Freund geschickt hat, gelesen und aus dem

Deutschen übersetzt: ”Die geheime Offenbarung der Bäume”. Was wie eine innere

Offenbarung wirkte, war die Tatsache LICHT IST UNSICHTBAR – wir können dadurch

sehen, aber können das Licht selbst nicht sehen.

Der Autor schreibt, Licht sei sich-selbst-verzehrend - es ist eine Opfergabe bringend und

liebend hinsichtlich der Sache. Es gibt sich selbst auf, lässt zu, aufgenommen zu werden

durch die Pflanzen, und durch menschliche Wesen, und sollte, wie der mystische Christus

gesehen wird, seine Leidenschaft überall in dieser Selbstaufopferung wiederaktivieren.

20. Juli: Aus einem Brief

Als ich tief in den Teich schaute, und die Vögel unter den umherschnellenden Goldfischen

fliegen sah, schien es mir, als würde ich von einer Amnesie erwachen. Meine Füße waren

nass vom Tau, und die vergangene Woche erstreckte sich zurück auf Monate und Monate in

Wüstenhitze und Schweiß. Jetzt ist es Sonntag, und die endlosen Tage mit kochen und den

Versuchen, zu beten, mit dösen und nass geschwitztsein, sich um Pflichtangelegenheiten

kümmern, ruhen - für heute.

25. Juli

Es ist ein herrlich frischer Morgen und ideal, um Regentropfen auf Blättern und Blumen zu

fotografieren, worum mich eine Schwester bittet. Regentropfen waren etappenweise gefallen

auf die Robinien, von höhergelegenen Blättern zu niedrigeren, wie Regen auf einen Schirm

spritzt, bevor er schließlich den Boden erreicht. Ringeltauben und eine Ente flogen mit einem

Schnattern auf, als sie Bruno und mich kommen sahen und der Wasserstand im Teich ist

ungewöhnlich hoch.

Mal sehen, welche Spur der lange Monat hinter sich lässt – etwas Glänzendes wie die silberne

Spur einer Nacktschnecke oder einer Weinbergschnecke auf einem Weg.

Zurzeit sind die Erinnerungen an Gäste, die hier waren, wie Fische, auf die wir einen Moment

lang einen Blick erhaschen im Licht inmitten der unterschiedlichen Spiegelungen im Teich.

Ich schaue tief in den reflektierten Himmel und sehe einen Vogel fliegen in diesem

Geheimnis-Meer. Es ist der gewaltige Himmel, den ich sehen will, und die Stille der Tiefe,

die ich hören will. Später werden die umherschnellenden Fische meine Gedanken

durchkreuzen, und ich werde über die Menschen nachdenken können, denen ich begegnet bin

– aber jetzt nicht, jetzt nicht.

Es regnete in der Nacht und das Flachdach glänzt von reflektiertem, wässrigem Licht. Die

Platten, die den Weg bilden, zeigen ihr eigenes Muster, wenn sie vom Regen berührt werden,

jede in einer etwas anderen Farbe. Gestern Abend, auf Bruno wartend – auf Godot wartend –

bemerkte ich, dass einige der Brombeeren rot sind. Wie kommt diese ganze wundervolle

Veränderung von Form und Farbe zustande? Wie kann es sein, dass jeder Regentropfen sich

formt und sich unterschiedlich an die ausgebreiteten Blätter der Pflanzen hängt, sogar im

Schatten funkelnd? Ich wünschte, ich könnte einen Tag in kompletter Stille erleben, nur um

zu sein, wachsend wie der stumme Garten in Wind und Regen, berührt von unsichtbarem

Licht.

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