| August 2002 |
Zuerst Regen, dann ein unangenehm feuchter, nebliger Morgen. Es duftet nach Geißblatt, das die Pergola umschlingt, und Rosenduft hängt über dem Weg. Der Mond führt einen Schleiertanz mit den Wolken. So hat der Monat begonnen.
Einige Anmerkungen aus der Predigt, die Abt Richard Yeo, OSB, bei den feierlichen Gelübden von Schwester Monica Mead am Fest der Verklärung des Herrn, 6. August, 2002, gehalten hat: Wenn Sie einen hohen Berg bestiegen haben mit einem unberechenbaren Anführer, der drei Begleiter ausgewählt hat, um mit ihm zu gehen, und der dann sein Aussehen verändert, als Sie den Gipfel erreichen, würden Sie das als unheimlich empfinden. * Wenn Ihre Mutter, Ihre Großmutter, in ein Kloster gehen würde, das fremde Bräuche hat, das weitgehend von der Welt abgeschnitten ist, und dann ihr Aussehen verändern würde, seltsame Gewänder tragen würde, würden Sie das als unheimlich empfinden. * Trotzdem kann Petrus sagen: Wie gut, dass wir hier sind, und ich hoffe, dass Schwester Monicas Familie das gleiche Empfinden hat. Petrus hat einen Blick erhascht, darauf, wie das Leben mit dem auferstandenen Herrn sein würde, und wir sind zur gleichen Erfahrung berufen. * Es ist wunderbar für Sie, Schwester Monica. Wie Petrus sind Sie zu einer Freundschaft mit Jesus berufen. Sie sind zur Kontemplation berufen: Zuhören, anschauen, lieben und geliebt werden. Ja, die Nachricht der Verklärung Christi, dass er auf dem Weg zur Herrlichkeit ist, ist wunderbar für Sie, für uns alle. * Wie Jesus gehen auch wir manchmal durch dunkle Zeiten, und wir brauchen diese Ausblicke in die Zukunft, damit wir weiter gehen können. * In unserem Leben, das wir das tägliche Leben nennen, ist viel Eintönigkeit und Routine. Wir müssen daran denken, dass das Leben ein Mittel zum Zweck ist und nicht das Ende selbst. Das Ende ist ein Leben in Herrlichkeit im Königreich des verklärten Christus.
************************ 9. August Bis jetzt war es ein merkwürdiger Monat, mit sehr heißen Tagen, gefolgt von sintflutartigen Regenfällen und durchgehend hoher Luftfeuchtigkeit. Am Tag von Schwester Monicas feierlichen Gelübden trugen wir unsere Kapuzen, obwohl es ein warmer und sonniger Tag war. Alles verlief tatsächlich sehr gut. Schwester Monica sang auswendig und ihre Stimme war rein und hörte sich jünger an als sonst. So viel Vorbereitungsarbeiten sind geleistet worden, und dies hat Früchte getragen - in der Gnade und in Natura.
Dieser Tage wurden Renovierungsarbeiten an den Fensterbänken im Hauptgebäude verrichtet, die dem Zahn der Zeit und dem Wetter seit mehr als hundert Jahren getrotzt haben. Wenn das Holz einmal verrottet ist, werden Insekten darin ihren Bau anlegen. Als das offensichtlich einwandfreie Holz herausgenommen wurde, das durch viele Farbschichten geschützt war, zeigten kleine, nun leere Tunnel, den Fleiß und die Beharrlichkeit von Bohrasseln und Käfern. Anstatt Bleifassungen und schwarzen Lackschichten sind an den äußeren Fensterbrettern jetzt alte Dachziegel verwendet worden. Die reparierten Fenstersimse, die sich nun schräg über den Beton neigen, lassen das Haus wieder vollständig aussehen.
Unsere Katze Bruno hat in den Blumenbeeten mit der Katzenminze gelauert. Er mag beides, den Geruch und den weichen Komfort der Pflanzen, obgleich er den Schatten der Hecke aufsucht, wenn der Tag zu heiß wird. Früh am Morgen prüft er die Luft auf fremde Gerüche, dann geht er vorsichtig - fast wie ein Hund - los, um ihren Ursprung zu lokalisieren. Manchmal verlässt er das Grundstück zur Serpentine hin und geht auf die Fährte eines Fuchses, eines Daches oder einer anderen Katze.
Gestern haben wir die Tische und das Pult im Refektorium umgestellt, um die Gemeinschaft näher zusammen zu bringen und um genügend Platz für Gäste und Oblaten zu lassen. Die ersten Gäste, die dies genießen konnten, waren Schwester Marias Enkelin und ihre Familie. Helen besucht die Gemeinschaft seit mehr als dreißig Jahren, und ihre kleine Tochter ist jetzt so alt, wie sie damals war. Wir haben unsere ersten Pflaumen vom Baum im Gästehausgarten (Emmaus) gegessen, und die Äpfel gedeihen gut auf unseren kleinen Bäumen. Die Tomaten, die draußen beim Refektorium in Hängekörben wachsen, bringen eine fortlaufende Ernte hervor, und die im Gewächshaus werden auch gut reif. Es ist schön, wieder selbst gezogene Nahrungsmittel zu haben. Die Brombeeren werden sorgfältig gepflückt zum Einfrieren, und aus unseren Kochäpfeln ist schon die erste Nachspeise bereitet worden.
Das Oblatentreffen am 19. August ist offenbar gerne angenommen worden. Wir haben so viele Teilnehmer wie wir ohne übermäßige Schwierigkeiten aufnehmen können. Das Thema war eine Einführung zur Benediktininschen Regel, Kapitel 4 (RB 4): Die Werkzeuge der geistlichen Kunst. Die Bildersymbolik der Einführung haben die Zuhörer angesprochen, aber schließlich ist ein Wort in den Mittelpunkt gerückt: accedie (lat.), was ein Hindernis für das spirituelle Wachstum darstellt. Der Sprecher beschrieb es als Trägheit und Stumpfsinnigkeit: Einer der Priester sah es als Zustand an, der zur Sünde führen würde; der andere empfand es als der Faulheit verwandt. Ein weiterer sah es als klinische Depression an. Am Ende hatten alle zum Teil Recht, weil Cassian es als einen Zustand der Ratlosigkeit und als Mangel an Entschlossenheit ansah, der den Mönch davon wegbringt, Linderung und Zerstreuung seines Zustands zu suchen. Der erste Sprecher hatte angedeutet, dass dieser Zustand eintritt, wenn unsere Reserven an Gottvertrauen, Hoffnung und Liebe abgebaut worden sind. Die Oblaten werden diesen wesentlichen, klösterlichen Fachausdruck überdenken und sehen, wie er sich auf ihr eigenes Leben anwenden lässt.
23. August Die Woche ist verflogen mit einer Mischung aus heißen, strahlenden und bewölkten Tagen. Die meisten Tagesstunden waren von Hammerschlägen begleitet, weil Chris die Fensterbretter vom verrotteten Holz befreit, und dann vom Pfeifen der Sägen, als er das neue Holz formte und gestaltete, um es einzufügen. Ein passender Kommentar zu Die Werkzeuge der geistlichen Kunst!
Gebetsanliegen kommen täglich bei uns an, weil unsere Oblaten und Freunde ihre eigenen Sorgen erwähnen, und wir beten für die Menschen in Soham, und für die beiden zehnjährigen Mädchen, die angeblich von dem 28-jährigen Hausmeister der Schule ermordet worden sind ... Warum? Und dies geschieht tagtäglich überall auf der Welt. Dennoch fließt unter all dem Leid und Schmerz, die Gnade, und innerhalb dessen ist alles Gnade. Wie die Sünde sich mit Liebe und Leid vermischt, so fällt der Regen.
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