| APRIL 2003 |
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Aus Briefen und persönlichen Betrachtungen Der Monat der weißen Blüten, Magnolienkerzen leuchten im Morgengrauen und in der Abenddämmerung, und Hummeln purzeln in duftende Blumen.
6. April Jetzt, wo es am frühen Morgen wieder länger dunkel bleibt, die Uhr ist vor einigen Wochen zurückgestellt worden, hört sich der Gesang der Vögel so an, als würden Musiker ihre Instrumente stimmen. Es ist kein Orchester mehr, das von der aufgehenden Sonne dirigiert wird: die Melodien fehlen. Der Blumenduft nahe unserem großen Kreuz im Garten (Calvary) ist wundervoll. Vor einigen Wochen gab uns unser Gärtner gezüchtete Primeln, die seine anderen Kunden weggeworfen hatten. Die Farbenvielfalt und die Wachstumskraft ist erstaunlich. Aber es ist der Duft, der in der Dunkelheit wahrnehmbar ist.
Nachdem ich mein ausgewähltes Fastenzeit-Buch, Amazing Grace von Kathleen Norris, ausgelesen habe und spielend mit den meisten von Alexander Waughs Büchern fertig geworden bin, die ans Blasphemische grenzen, suchte ich nach einem anderen Buch, das meine Aufmerksamkeit für eine halbe Stunde am frühen Morgen halten würde. Ich fand es eines von Simon Tugwell über das Gebet, ein Thema, dem ich normalerweise aus dem Weg gehen würde, weil es schwierig ist, die Gedanken anderer zu akzeptieren, nach all den Jahren, in denen ich an einer besonderen persönlichen Beziehung zu Gott gearbeitet habe. Aber ich lese das Buch ganz anders, als ich es vor zwanzig Jahren gelesen hätte, als ich noch mehr nach Information gesucht habe, als einen Lebensweg. Tugwell zeigt auf, dass falsches Verständnis zur ursprünglichen Erbsünde geführt hat. Er zeigt auch auf, dass je mehr wir uns anstrengen, unsere Freunde kennen zu lernen, desto weniger wir sie verstehen: Manchmal sind sie Fremde mit fremden Gesichtern und völlig rätselhaft. Mit Gott ist es das Gleiche: Wir werden Ihn nie verstehen, obgleich wir Ihn flüchtig erfahren dürfen in der Liebe.
Vor einigen Tagen fanden wir die erste leere Eierschale von einem Vogelnest, das Ausbrüten hat also begonnen was für ein Wunder. Der Schock, ein frisch geschlüpftes Hühnerküken zu sehen, das da beschmutzt und nass lag, fast leblos, weicht dem Jubel, als es sich unter den Daunenfedern seiner Mutter in einen flaumigen, piepsenden Vogel verwandelt.
Praktisch jede Nachrichtensendung konzentriert sich auf die Kämpfe im Irak, mit anschaulichen Beweisen der vom Regime begangenen Greueltaten aber werden die Invasoren / Befreier sich viel besser verhalten? Besatzungsheere sind die meiste Zeit über keine zahmen Tiere, sondern beutehungrige Hyänen, und Soldaten sind bekannt für ihr Begehren. Jetzt, wo der Angriff begonnen hat, ist es nötig, ihn zu beenden, aber es ist auch nötig, dass die Invasoren verschwinden, wenn einmal die Angriffsziele erreicht sind, mit den UN-Friedenstruppen, - wenn sie wirkungsvoll sind um dem ethnisch getrennten Volk zu helfen, eine stabile Regierung zu bilden. Aber man kann nicht sehr große Hoffnungen hegen nach den Katastrophen in anderen Gebieten der Welt. Und einige UN-Streitkräfte scheinen außerordentlich untauglich zu sein. So viel kommt zu uns, sogar im klösterlichen Leben, dass ich zuerst nichts Spezielles für Ostern schreiben konnte: Wir haben bis jetzt noch nicht den Gipfel des Leidens erreicht, so sind wir vielleicht immer noch im Garten der Bedrängnis und des Leids?
Palmsonntag Es ist Palmsonntag und die Palmkreuze, die wir von SPCK erhalten haben, sind bereit, geweiht zu werden mit heiligem Wasser, bevor wir unsere Prozession in die Kapelle beginnen. Ich bin nicht sicher, ob ich möchte, dass die Palmen schon Kreuze sind selbst in der Erinnerung an das glorreiche Kreuz aber die Palmen-Päckchen, die von Pfarreien gebracht wurden, sind zu umfangreich für uns, und ich möchte den Garten nicht um seine knospenden Zweige berauben.
Unser Garten kommt bei vollem Licht am besten zur Geltung. Die Magnolien-Flammen brennen so beständig im Halbdunkel, und während die Blütenblätter fallen, formen die Staubgefäße und Griffel immer noch einen altmodischen Sultansturban. Dann gibt es da noch das üppige Beet mit den Gartenprimeln und Primeln mit reichen Farben, die tatsächlich schon leuchten, bevor die Sonne aufgeht, selbst wenn der Erdboden durch Wassermangel rissig und krümelig und zu Sand wird. Nun zeigt der weiße Zierkirschenbaum Anzeichen des Knospens, und zu Ostern werden die weißen Ballerina-Blumen in voller Blüte stehen.
Karwoche Jetzt plötzlich, nach Palmsonntag, entfalteten die kleinen Gartenbäume mit dekorativer Blüte ihre Knospen, und nun brennt der Garten geradezu von pinkfarbenen und weißen Blütenwolken. Die Tulpenbeete leuchten im Morgengrau und in der Abenddämmerung am meisten, ihre eigene Laudes und Vesper singend. Vergissmeinnicht bedecken den Boden und Blau und Weiß beginnen vorzuherrschen, während Maiglöckchen ihre kleinen, duftenden Glocken läuten und Glockenblumen sich zeigen inmitten dem Blau der Traubenhyazinthen.
Wir haben gerade eine kleine Hitzewelle und es ist warm genug, um im Garten zu sitzen, zu lesen oder einfach nur zu betrachten. Die Heizung im Haus ist derzeit aus, und die offenen Fenster erlauben es den manchmal schrillen Rufen aufgeschreckter Vögel, uns an härtere Lebensbedingungen zu erinnern.
Ostermontag Der willkommene Regen fiel letzte Nacht und trommelte auf das Kapellendach. Heute war das Vogelgezwitscher wie Regentropfen auf einer Wäscheleine, glitzernd, aber sich wiederholend, während andere Gesänge einen so ärgerlich machen konnten wie ein tropfender Wasserhahn. Einige Töne hörten sich fast erstickt an, wie Wäsche, die ausgewrungen wird, ein paar erstickte Tropfen fallen.... Es ist seltsam, welche Wirkung das Wetter auf das Gehör haben kann, selbst dann, wenn man sich über den Regen freut!
28. April Die Osteroktav ist größtenteils überschattet worden von dem fortschreitenden Schlaganfall, den eine unserer Schwestern am Dienstagmorgen erlitt. So wurden wir mitten im grünenden Garten, dem reichlichen Regen und der Freude der Osterzeit, an das empfindliche Gleichgewicht erinnert, nicht nur zwischen Leben und Tod, sondern auch zwischen Gesundheit und Krankheit.
Ein ergreifendes, altertümliches, babylonisches Gebet mag einige Aspekte dieses Monats zusammenfassen:
Ich bin still und in Tränen, und niemand nimmt mich bei der Hand. Mein Gott, der du das Ungewisse kennst, hab Erbarmen... inmitten der stürmischen Wasser komm mir zu Hilfe, nimm mich an der Hand...
Wenn wir nicht die eigentlich Leidenden sind, sind wir vielleicht Zuschauer am Kreuzweg, zuweilen plötzlich aus der Menge heraustretend, um einem Leidenden den Schweiß abzuwischen.
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