| Januar 2002 |
Durch seine Anordnung lässt er den Schnee fallen, er schleudert die Blitze nach seinem Geheiß... Ob seiner Größe macht er die Wolken dicht und werden die Hagelsteine zerstoßen... Wie Vögel lässt er seine Schneeflocken fliegen... Die Schönheit seines Weiß blendet die Augen. Auch den Reif gießt er aus wie Salz, ihn wandelt der Frost in Spitzen von Dornen... Sirach 43, 13ff
Mit diesen Worten haben wir den Winter begonnen, obgleich es nicht weich fallender Schnee war, der den Boden bedeckte, sondern Hagelkörner inmitten eines tobenden Gewitters. Ohrenbetäubend für diejenigen von uns, die in der Kapelle still beteten. Die Heftigkeit des Hagelsturmes schien ein Echo zu sein, ein bloßes Echo, auf die Heftigkeit im menschlichen Herzen. Was wird dieses neue Jahr der Gnade bringen? Wird es einem Rotkohl vergleichbar sein, wo der Koch jedes Blatt sorgsam schneidet und über die verschiedenartigen Muster staunt, die zum Vorschein kommen? Zunächst gibt es ein Blatt am Strunk, der festen Mitte, drum herum liegen die Blätter strahlenförmig. Blatt um Blatt ändert sich das Muster, wie ein Kaleidoskop, violette Wellen überspülen den Strand und Blütenblätter entfalten sich. Dieses Jahr könnte sich sehr wohl als solches herausstellen. Im Augenblick sieht die äußere Kugel ziemlich uninteressant aus, die Farben versickern und die äußeren Blätter sind schon beschädigt. Aber wenn das Messer einen sauberen Schnitt macht, kann uns die Schönheit, die am Lebensherz zum Vorschein kommt, ergriffen machen und den Atem nehmen.
Am 1. Januar hielten wir eine andere Recreation (Erholungszeit) als sonst: In einem eigens dafür eingerichteten Raum, geschmückt mit Kerzen und den jahreszeitlichen Bildern von Bäumen, erklang die Musik einer CD jeweils vor und nach den Lesungen. Wir hörten aktuelle Texte, die mit Dylan Thomas Weihnachtserinnerungen der Kindheit begannen. Die Lesungen reichten von meditativen Texten und solchen, die Erinnerungen wachrufen, bis hin zu humorvollen. Da gab es ein Stück von Joyce Grenfell, dann das Gespräch der Tiere im Stall um Mitternacht, gefolgt von Gedichten und Briefen von Kindern. Wir lernten, dass Heiligabend der Namenstag von Adam und Eva ist, und dass der erste Lebensbaum im sechzehnten Jahrhundert eingeführt wurde als ein immergrüner Baum und mit Äpfeln behangen. Zwangsläufig folgte ein Sketch über die Zwölf Tage Weihnachten, wobei jemand später anmerkte, dass laut einem derzeitigem Fernsehsprecher, die tatsächlichen Kosten solcher Geschenke £ 7.000 betragen würden. 27. Januar Die Tage galoppieren dahin, immer schneller, und nun haben wir schon den dritten Sonntag im Jahreskreis. Im Morgengebet hatten wir die jahwistische Version der Schöpfungsgeschichte, wunderbar veranschaulicht durch Sebastian Wolffs Cantata for a New Millennium (Kantate für ein neues Jahrtausend), einer CD der Buckfast-Abtei. Darin spricht ein Sprecher die Worte der Schlange, der Frau und des Mannes auf eine Art und Weise, dass man meint, dabei zu sein. Nach dem ausschlaggebenden Pflücken der Frucht ertönt ein überraschender Orgel-Akkord und aus der schmetternden Harmonie wird das Gespräch mit Gott wieder aufgenommen. Es folgen verschiedene Melodien zum Thema Wir wollen den Menschen erschaffen nach unserem eigenen Ebenbild bis zur Geburt Christi, dazwischen einige alte und neuen Melodien, von Text unterbrochen.
Mitten in unserem normalen Alltagsleben sind wir uns des Unfriedens und des Aufruhrs in anderen Teilen der Welt bewusst, vor allem in Israel und Nordirland. In der Monatshälfte brach ein Vulkan aus und eine kilometerlange Lavaflut teilte Goma in zwei Teile und richtete eine unabwendbare Verwüstung an in einem Land, das seit vielen Jahrzehnten selbst unter einer eigenen Gewalt gelitten hat. Der Kongo war bereits ein Notfall-Gebiet durch die Gewalt, die von Männern begangen wurde, und nun zeigt uns die Natur die Teilung im Herzen dieser Gesellschaft. Wir scheinen dazu bestimmt zu sein, uns selbst entweder durch Feuerexplosionen umzubringen oder zuzulassen, dass wir auf Grund von Abholzung und Klimaveränderungen von Wassern weggeschwemmt werden. Grübelt Gott der Herr immer noch über seine Schöpfung nach, mit einem Pessimismus, wie er in Genesis vor der Flut dargestellt wird?
Als Jahwe sah, dass die Bosheit der Menschen auf Erden groß war und alles Gedankengebilde ihres Herzens allezeit nur auf das Böse gerichtet war, da reute es Jahwe, dass er die Menschen auf Erden gemacht hatte, und er grämte sich in seinem Herzen... Genesis 6: 5-6.
Wir glauben, das das Geschenk des Lebens, der Hoffnung und der Liebe nicht zurück gezogen werden wird, solange der Geist Gottes in dem spirituellen und materiellen Chaos der Welt atmet. Wie nie zuvor haben wir, als Einzelne, die Aufgabe des Verwalters, mit gegenseitiger Verantwortung. Und jede kleine Einheit der Gesellschaft, wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind, kann ihren positiven Beitrag leisten durch Fürsorge und Ehrfurcht, Einfachheit und Gebet, mit der wir erschaffene Dinge berühren und liebevoll für den anderen sorgen. Das ist es, was die Menschen, die hinter unsere Klostermauern sehen, erblicken, und wir mögen einen Blick erhaschen auf das Leben derer, die durch unsere Pforte eilen.
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